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Boxen als Schulsport – Boxen in der Schule

Boxen an Schulen
Im Rahmen meines Sport-Studiums schrieb ich eine Hausarbeit über den Einsatz von Boxelementen in der Schule.
Falls jemand Interesse hat, etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen oder Boxen in der Schule anzubieten, darf
er sich frei fühlen, sich an meiner Arbeit zu bedienen.
Ich würde lediglich darum bitten, als Autor genannt zu werden. Der Titel der Hausarbeit war:

"Selbstverteidigung mit boxerischen Elementen im Unterricht"

Damit war das Gebiet zwar nur umschrieben. Es erlaubte aber so die hessischen Kerncurriculären Kompetenzen zu forcieren
und das Verbot des Schlagsports zu umgehen.

Inhaltsverzeichnis

I.Einleitung
II.Persönliche Verraussetzungen
III.Sachanalyse
IV.Lerngruppenbeschreibung
V.Didaktische Begründung
V.I.Kerncurriculäre Begründung
V.II.Altersangemessenheit
V.III.Fachdidaktischer Hintergrund
VI.Lernziele
VI.I.Lernchancen
VII.Methodische Überlegungen
VIII.Unterrichtsschritte der geplanten Stunde
IX.Reflexion
X.Stundenablauf

I. Einleitung

Ich habe mich dafür entschieden eine Unterrichtsstunde um das Thema Boxen für das Seminar „Unterrichten in Bewegung, Spiel und Sport“ zu planen. Da Boxen per se nicht im Lehrplan steht, ich aber in Kooperation mit dem Verein „1.BC Marburg“ an mehreren Schulen tätig und von den positiven Auswirkungen eines Regel unterliegenden Zweikampfes überzeugt bin. Gerade aus diesem Grund ist eine genaue Ausarbeitung in der auf die Lernziele, Methodik und Didaktik eingegangen wird besonders wichtig. Das es sich beim Boxen um ein Themenfeld mit fälschlichen Vorassoziationen handelt, bspw. dem eines rein aggressiven Sports, führt gerade dies dazu, dass schwierige oder problembehaftete Kinder besonderes Interesse zeigen und sich auf einer Ebene einlassen, die mit anderen Sportbereichen undenkbar erscheint. Auf der anderen Seite erfordert ein professionell im Schulunterricht durchgeführtes Boxtraining starke Reglementierungen, was den Einsatz von Antizipationsstrategien bei zu erwartenden Problemen essentiell notwendig macht. Das Verfassen eines Unterrichtsentwurfes für die Schule erschien so aus mehreren Standpunkten interessant.

II.Persönliche Vorraussetzungen

Seit meiner Kindheit hatte ich unheimliches Interesse an Sport. Als typisch moppeliges Kind projizierte ich mein persönliches Wohlbefinden in der Kontrolle der körperlichen Erscheinung (vgl. Vl. 5 Abraham, Folie 14). In der Pubertät reichte mir das allerdings nicht aus. Ich ging durch schwierige Phasen die KING als einen für „Adoleszente“ typischen Wechsel zwischen Allmachtsphantasien und Entwertung beschreibt (vgl. King, 2011, S.93). Die Phasen der Unsicherheit brachten mich allgemein zum Kampfsport, mit der nach Außen wirkenden Stärke. Eine gewisse Zeit trainierte ich beinahe jede mir zugängliche Kampfsportart. Das beim Boxen gegebene Training, das meinen Körper mehr forderte als alles Bisherige und die mir vorher unbekannte Strenge im Training in Verbindung mit den rau wirkenden Mitgliedern hatte ihre Faszination und zog mich in ihren Bann. „ Es werden Ganzkörperbewegungen trainiert und große Anforderungen an Kondition, Kraft und Beweglichkeit gestellt – gleichzeitig werden psychische Eigenschaften wie Mut und Durchhaltewillen gefördert. Es ist auch die beste Möglichkeit für alle, (…), sich weiterhin sportlich zu betätigen“ (Elwanger, 1998, S.26) Selber habe ich fast alle Phasen als Boxer durchlebt. Ich habe selbst aktiv jahrelang trainiert und an Wettkämpfen teilgenommen. Im Verein und dem Unisport interessierte Boxneulinge trainiert und vorbereitet. Erfahrene Boxer während Kämpfen in der Ringecke betreut und seit einiger Zeit Boxen bereits erfolgreich an Schulen über das Kernfeld „Kämpfen“ oder durch „Box“- oder „Kämpfen“-AGs gebracht. Durch meine eigenen Erfahrungen traue ich mir dadurch zu, dass ich Boxen an Schüler mit vielen unterschiedlichen Kenntnisständen vermitteln kann und ich durch mein eigenes Interesse und Wissen in den Schülern eine gewisse Faszination zu wecken vermag.

III. Sachanalyse

Wenn man nun das Modell des Boxens auf die Schule übertragen will, dann stellt sich die Frage, was guter Unterricht benötigt und welche Aspekte hiervon im Bereich des Boxens zu finden sind. Boxen fällt im Gegensatz zu Basketball oder Fussball nicht in den Bereich der Sportspiele, sondern ist ins Themengebiet „Kämpfen“ einzuordnen. Hierbei bietet es den Schülern viele Möglichkeiten, Bewegungs- und Körper-erfahrungen zu sammeln unter den Aspekten eines friedlichen Gegeneinanders, aber auch eines kämpferischen Miteinanders. Die dahinterstehende Spielidee ist hierbei komplex. Bei bspw. Zielschussspielen ist die Spielidee ein „Movendum“ (Ball, Puck, etc.) in einen festgelegten Bereich zu bringen. (vgl. Göhner, 1979, S.8 ) Beim Boxen ist eine solche Zielführende Hintergrundidee erstmal nicht zu finden. Vielmehr geht es darum im kämpfenden Vergleich optimal zu performen. „ Wobei der Boxer die ganze Zeit seine Hauptaufgabe verfolgt: Die Initiative gegen den Konkurrenten zu behalten, ihn mit zweckmäßigen und effektiven Schlägen zum Körper oder Kopf zu überraschen.“ (Ogurenko,1977 , S.98) (Anmerkung: Einschub) und sicher und selbstbewusst agieren zu können, während zugleich immer auf das Wohlbefinden und den Respekt gegenüber dem Übungspartner geachtet wird. Trotzdem hat eine körperliche Auseinandersetzung immer ein gewisses Konfliktpotential inne. Falls es zu Konflikten kommt, muss unmittelbar interveniert und auf das Einhalten gemeinsamer Absprachen und Regeln verwiesen werden. Damit folgt der Sportunterricht einem erzieherischen Anspruch um die Schüler über tatsächliche körperliche und leibhaftige Erfahrungen zu sozialem Handeln zu befähigen (vgl.Bräutigam, 2009, S.130) Theoretisch möglich ist auch ein Sieg durch KO. Im Olympischen Boxen kommt dieser aber im Gegensatz zum Profibereich selten vor. Zum Einen weil Wettkämpfe abgebrochen werden wenn ein Gegner sichtbar überlegen ist, Boxer bereits angezählt werden, wenn es wirkt als seien sie hart getroffen worden. Und weil in den gefährdeten Bereichen zusätzliche Schutzmaßnamen ergriffen sind (wie bspw. Kopfschützer und besser gepolsterte Handschuhe). (vgl. Ellwanger S.27) Das eigentliche Bewegungsproblem besteht aus zwei Aspekten. Die boxerischen Bewegungen erfordern ein hohes Maß an Koordination, da zur gleichen Zeit angegriffen und sein eigener verletzlicher Punkt geschützt werden muss. Erschwert wird das ganze durch mentalen Druck, da der Gegner seinerseits ebenfalls zielgerichtete Angriffe starten kann. Ein Großteil der boxerischen Ausbildung ist so geeignete Antizipationsstrategien auf mögliches Handeln des Partners zu finden. Das oben erwähnte „Movendum“, welches bei Zielschuss oder Rückschlagspielen benutzt wird, fällt beim Boxen vollkommen weg. Instrument oder Werkzeug der ausgeübten Tätigkeit ist lediglich der eigene Körper und die meisten Übungen zielen auf eine steigende Körperbeherrschung hin. Nach OGURENKO sind die wichtigsten Grundverfahren, die beim erfolgreichen und professionellen Boxen benötigt werden, folgende (vgl.Ogurenke, 1977, S. 98): Der Angriff Die Verteidigung Die aktive Verteidigung Täuschungsschläge Täuschungsbewegungen des Körpers (Finten) Manöverschritte (seitwärts links und rechts ; vorwärts; rückwärts und in die Zwischenrichtungen) Einführen der Arme in die Position des Gegners Mimik All diese Punkte machen den gesamtheitlichen Aspekt des Boxens aus und sie gehen fließend ineinander über. In der Kampfsituation sind diese nicht voneinander zu trennen und ergeben ein komplexes Zusammenspiel. Für den Sportunterricht kann allerdings der Fokus auf das Üben einer der ausgesuchten Fertigkeiten liegen.

IV. Lerngruppenbeschreibung

Bei dieser Stunde soll es sich um eine Einführungsveranstaltung in das Thema Kämpfen handeln. Die genaue und nähere Zusammensetzung der Klasse ist hierbei nicht bekannt. Der im Schulsport angesiedelte Themenbereich „Kämpfen“ beinhaltet jedoch keine boxerischen Aspekte, weshalb davon auszugehen ist, dass bis auf vereinzelte Ausnahmen alle keinerlei Vorerfahrungen besitzen. Für den positiven und erfolgreichen Verlauf der Unterrichtsstunde sind unterschiedliche Aspekte im Schüler- Schüler Verhältnis wichtig. Essentiell nötig ist eine gute Arbeitsatmosphäre, die durch gegenseitige Wertschätzung, Anerkennung und einen respektvollen Umgang miteinander geprägt ist. Ebenso wichtig ist ein Mindestmaß an Vertrauen. Lässt der Umgang der Schüler darauf schließen, dass auch nur eine der genannten Eigenschaften fehlt, muss vor Beginn der Unterrichtsstunde unbedingt gehandelt werden. Als erster Punkt der Antizipationsstrategie würde sich ein klärendes Gruppen- oder Einzel-Gespräch hierfür eignen. Sollte dies nicht genügend Erfolg versprechen bzw. weiterhin das Gefühl bestehen, dass ein kontrollierter Ablauf der Stunde in Gefahr ist, bleibt nur das Auslassen sensibler Übungen.Bei Vorhandensein von genügend Lehrpersonal ist evtl. auch die Herausnahme sich verweigernder Schüler passend. Positiv für die Durchführung der Stunde wären zusätzlich ein gewisses Maß an Interesse und Motivation, sowie die Bereitschaft etwas lernen zu wollen. Während das Alter der Zielgruppe erfahrungsgemäß nur eine kleine Rolle für das Interesse spielt, sieht es beim Geschlecht schon anders aus. Mädchen sind seit ihrer Kindheit dahingehend konditioniert, dass körperliche Stärke und Gewalt zu einer Abwertung ihres Rollenbildes führt. Nur wenige können sich deshalb mit den psychischen und mentalen Vorteilen die das Boxen verspricht identifizieren. Besteht die vorstehende Zielgruppe mehrheitlich aus weiblichen Schülern, so sollte erstmals von Partnerübungen abgesehen werden und der Unterricht sollte den Schwerpunkt auf ein leichtes, technisches auf Geräten basierendes Herz-Kreislauf Training legen.
SchülerMerkmalKonsequenz
- 1 -Ist sehr lebhaft und schlägt evtl. über die SträngeZusammenführung mit einem körperlich unterlegenem Partner um Verletzungen aus Ego oder Prahlerei zu vermeiden
- 2 -Ist sehr unsicher und ängstlich was sein sportliches Können betrifftPositives Feedback und Bestätigung bei Übungen, die der Person liegen; Vermehrte Aufmerksamkeit
- 3 -Ist unbeholfen und wird von seinen Mitschülern gemiedenVermehrte Partnerwechsel, welche Schüler häufig ins Geschehen ein-binden. Evtl. Ansprechen des Problems.
- 4 -Weitere individuelle Problemes. nächster Absatz

Ein genaues Abhandeln aller möglichen Probleme ist jedoch nie gänzlich möglich. So kann es zum Auftreten weiterer Probleme kommen, bzw. ist es möglich, dass die hier genannten Antizipationsstrategien keine Wirkung zeigen. Für diesen Fall ist ein ruhiges auf die Situation angepasstes Handeln der Lehrkraft nötig.

V. Didaktische Begründung


„Fachdidaktische Konzepte sind auch die theoretischen Entwürfe von Sportdidaktikern. In ihnen sind begründete Möglichkeiten und Anliegen des Faches formuliert und für die Gestaltung des Unterrichts bestimmte Ziele, Inhalte und Methoden empfohlen.“ (Bräutigam, 2014, S.92) Ich werde im folgenden Abschnitt auf das Kerncurriculum eingehen, auf die Altersangemessenheit, und dann ausgewählte, meiner Meinung nach für unser Projekt passende, fachdidaktische Konzepte nennen.

V.I. Kerncurriculäre Begründung

Der Sportunterricht an sich hat sich von der Vorstellung gelöst reine Inhalte vermitteln zu wollen. Die Schüler zu mündigen Bürgern zu erziehen und die Vermittlung für, als wichtig erachtete Kompetenzen, stehen im Vordergrund. Laut hess. Lehrplan sind die folgenden drei Kompetenzen die zentralen Aspekte, auf die sich bei der Vermittlung konzentriert werden soll (vgl. hess. Lehrplan)
Bewegungskompetenz
„Das Ziel der Bewegungskompetenz ist es sich die Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur zu erschließen“ (hess. Lehrplan) So steht nicht die reine Bewegung an sich im Vordergrund, sondern auch die Auseinandersetzung, Entwicklung und Reflexion mit den Bewegungsstrategien.(vgl. Hessisches Kultusministerium Lehrplan 2010, S. 12)

Urteils- und Entscheidungskompetenz
Das Hauptziel dieser Kompetenz besteht aus der Fähigkeit selbstbestimmt zu handeln. Vorraussetzung für eine angemessene und nachvollziehbare Beurteilung von Leistungen und Bewegungsausführungen sind Kenntnisse über die jeweiligen Kriterien und Gütemaßstäbe. Wichtig ist diese Kompetenz besonders um angemessen im Verhältnis Mensch-Umwelt zu agieren. So sollte sie schlussendlich zu einem angemessenen Umgang mit Bewegungsräumen und Partnerschaften führen ( vgl. Hessisches Kultusministerium Lehrplan 2010, S. 12)

Teamkompetenz
Hierbei soll gelernt werden, sich konstruktiv in Gruppenprozesse einzubringen, sowie ein aktiver Teil der Sportkultur zu werden. Es soll gelernt werden mit Unterschieden durch Leistung, ethnischem Hintergrund und Geschlecht umzugehen und fair zu konkurrieren oder zu kooperieren. (vgl. Hessisches Kultusministerium Lehrplan 2010, S. 13)

Ich selber bin der Meinung, dass Kampfsport durch seinen disziplinierenden und fordernden Charakter ideal ist um sämtliche der hier genannten Voraussetzungen zu vermitteln. Durch den so von mir geplanten Sportunterricht können die Schüler im Umgang mit sozialen Regeln und ihrer Suche nach Orientierung zu diesem Zweck mit einer überlegten Sportstunde unterstützt werden (vgl. Neumann, 2004, S.35)

V.II. Altersangemessenheit

Wie bereits angemerkt handelt es sich beim Boxen um einen Sport der unterschiedliche, koordinativ anspruchsvolle Übungen beinhaltet. Schaut man sich jedoch ein stichprobenartiges Durchschnittsalter an, in dem mehrere olympische Boxer mit dem Sport begonnen haben, so ergibt dies einen Beginn mit 9 Jahren (Vgl. Funke, 1985, S. 96) Sollte die unbegründete Angst bestehen, dass Sparringsähnliche Übungen zu fortgeschritten für ein junges Alter sind, so könnten diese weggelassen werden. Meiner Meinung nach widerspricht dies aber zwei Ansatzpunkten. Die Härte und Kontrolle der partnerschaftlich durchgeführten Übungen hängen nicht vom Alter ab, sondern viel mehr mit den Eigenschaften der sozialen Integration und den Sozialkompetenzen. Durch die noch nicht fortgeschrittene körperliche Entwicklung in Verbindung mit der schweren Schutzkleidung ist es jungen Boxanwendern so gar nicht möglich ihr Gegenüber zu verletzen.

V.III.Fachdidaktischer Hintergrund

Hier werde ich eine kurze Erklärung zu den sportdidaktischen Ansätzen geben, die ich für unser Thema für relevant halte und versuchen unseren Unterricht hinsichtlich dieser einzuordnen.
Sportartenkonzept:
Hierbei ist die Sportart selbst Ziel und Inhalt des Unterrichts. Der Grundgedanke besagt, dass die Sportart an sich schon eine gewisse Sachstruktur aufweist und sich die Pädagogischen Anstrengungen an der Eigenstruktur orientiert. Diese Sportarten beinhalten motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten deren Erwerb im Vordergrund steht. Meist handelt es sich dabei um traditionelle Sportarten, die sich an international gültigen Wettkampf- und Regelsystemen orientieren. (vgl. Bräutigam, 2009, S.92 ff.)
Erfahrungsorientierter Unterricht:
Hierbei handelt es sich um ein Unterrichtskonzept, bei dem sich der Lernende mit den Inhalten und deren Bedeutung für sich selbst auseinandersetzt. Er tritt hierbei als Akteur im Unterricht auf, bei dem er als der Lernende im Mittelpunkt steht. Ziel ist es die Möglichkeit zu schaffen, jeweils eigene Erlebnisse, Gedanken und Vorstellungen mit den jeweiligen Unterrichtsthemen in Verbindung bringen (vgl. Bräutigam, 2009, S. 100 ff.). Diese beiden Unterrichtskonzepte halte ich für unser Themengebiet am geeignetsten. Ich denke, dass Boxen als Wettkampfsport unheimlich viele Aspekte beinhaltet (vgl. Kap. Lernchancen), die für den Sportunterricht interessant sind. Das Sportartenkonzept greift dabei Punkte auf, wie das Erzielen von Koordination und Kondition, auf die wir in unserer Stunde Wert legen. Ausserdem fällt vllt auf, dass ich im Verlaufe dieser Stundengestaltung häufig den Wortlaut „erfahren“ benutzt habe. Sich selbst in einer gewissen Rolle zu erfahren und durch eigene Reflexion und Erfahrungen ein Teil der Gesellschaft zu werden, Bestandteil des erfahrungsorientierten Unterrichtskonzepts, lässt sich hierdurch gut wiedergeben.

VI. Lernziele

Das größte Neugier im Sportunterricht haben Schüler in Bezug auf das Thema. „Was machen wir heute?“. Anders ausgedrückt könnte die Frage auch lauten: „Was wollen wir heute lernen?“ Inhaltliche Grundsteine bilden den Kern eines jeden Sportunterrichts und die Frage „Was?“ ist die vorrangigste bei der Gestaltung des Unterrichts (vgl Bräutigam, 2014, S.113). Ich habe die Lernziele für diese Stunde genannt, die ich dieser Stunde überordnen wollte (vgl. Niedersächsisches Kultusministerium, Kerncurricula, 2006, S. 12).

1. Übergeordnetes Lernziel:

Die Schüler sollen dahin geführt werden, sich sicher im Themengebiet „Kämpfen“ zu fühlen und selbstbewusst und unter Einhaltung der vereinbarten Regeln Formen der partnerschaftlichen Auseinandersetzung erproben und tieren.

2. Inhaltsbezogenes Lernziel :

Die Schüler sollen einen Überblick über einige Grundelemente des Boxens bekommen und diese selbst erfahren.

3. Prozessbezogenes Lernziel :

Die Schüler sollen verantwortungsvoll im Kampf handeln und somit den Gegner als Partner erkennen, um Verletzungen zu verhindern, Emotionen zu kontrollieren und aggressives Verhalten zu vermeiden, indem sie die erarbeiteten Regeln einhalten und verantwortungsvoll mit dem Partner umgehen

VI.I. Lernchancen

Da wir nur eine einzige Einführungsstunde haben, welche nicht in eine Unterrichtsreihe eingegliedert ist, fällt es schwer den ganzen Rahmen, den das Bewegungsfeld „Kämpfen“ vermitteln kann auszuschöpfen. Trotzdem möchte ich weitere Lernchancen nennen, aufgeteilt in vier mögliche Bereiche, die jede für sich Chancen der Entwicklung auf unterschiedlichen Ebenen bietet (vgl. Ludwig, 2007, S.66)

Motorische Lernchancen

Die Kinder sollen…

ihre Kraft und Gewandtheit erproben und verbessern
ihre Techniken und Kraftanstrengungen angemessen (dosiert) einsetzen
Berührungsängste abbauen

Kognitive Lernchancen

Die Kinder sollen...

den Gegner als Partner wahrnehmen und verantwortungsvoll mit ihm umgehen
ihre körperlichen Möglichkeiten und Grenzen realistisch einschätzen lernen
Ihre Gefühle innerhalb der Kampfsituationen tieren und daran wachsen
soziale Lernchancen (vgl. Internetseite s. Quellen)
Die Kinder sollen...

Sieg und Niederlage erleben und verarbeiten
die Spannung von Gegeneinander und Miteinander aushalten
sich auf die Verantwortung des Partners einlassen und Verantwortung übernehmen
die Körpersprache des Gegenübers interpretieren (Ambiguitätstoleranz)
auf die Gefühle des Gegners Rücksicht nehmen und die Lernziele in alle Bereiche des täglichen Miteinanders transferieren

affektive Lernchancen
Die Kinder sollen...

Freude an der Bewegung durch die spielerische Auseinandersetzung mit dem Partner bekommen

VII. Methodische Überlegungen

Wir beginnen mit einem Sitzkreis. Ohne Bewegung und Stehen entsteht weniger Unruhe . Bei voller Aufmerksamkeit können wir so eine Einführung in das Thema machen und ebenfalls,wichtige Dinge wie Sicherheitshinweise nennen. Die Schüler sind alle neu auf dem Gebiet, was dazu führt, dass evtl. Überforderungen mit dem Thema kommen könnten. Wir haben uns daher dafür entschieden abwechselnd Aktivitäts- und Reflexionsphasen durchzuführen. So können wir bei auftretenden Problemen direkt Eingreifen und eventuell Aufgaben konkretisieren oder variieren. Auch wenn unser Konzept zu einem großen Teil darauf beruht, sich selbst zu erfahren und die Sportart kennen zu lernen, wollen wir doch gewissen Lernchancen nennen. Dies führt evtl. dazu, dass die Schüler fokussierter darauf achten, oder Dinge wahrnehmen, die ansonsten ihrer Aufmerksamkeit entgangen wären. Im Verlauf der Stunde werden eine Reihe von Phasen durchlaufen (vom Einfachem zum Komplexen), an deren Anfang die Voraussetzungen für eine regelgeleitete Unterrichtsstunde stehen (s. Zielgruppenvoraussetzung) und an deren Ende die eigentlichen Zweikämpfe durchgeführt werden. Im Verlauf dessen halten wir uns offen, die Übungen zu unterbrechen, Gesprächsphasen einzuführen und Verhaltensweisen zu kritisieren oder positiv zu verstärken, um die Dinge in eine um die Stunde in eine gewisse Richtung zu lenken. Grundsätzlich gilt beim Kämpfen das Prinzip „Vom Einfachen zum Schweren“ bzw. „Vom Elementaren zum Komplexen“.(vgl. BUSCH, 2006, S.10) So können wir von einfachen Grundtechniken zu ersten Kombinationen an der Weichbodenmatte gehen während die Schüler Selbstbewusstsein auf dem neuen Gebiet sammeln und sich dem ansteigenden Aufgabenniveau anpassen.

VIII. Unterrichtsschritte der geplanten Stunde

Aufgrund unser vorigen Überlegungen kamen wir zu folgendem Unterrichtsverlauf Wir beginnen die Stunde im Sitzkreis, was uns eine passende Atmosphäre für die kommende Einführung in das Thema bietet. Die Klasse ist uns bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt, weshalb wir mit einer kleinen Vorstellungsrunde beginnen und die kurzen Grundbausteine nennen, aus denen unsere Stunde besteht. Am Ende nennen wir, wie vermehrt noch in jeder heiklen Situation wichtige Hinweise zur Sicherheit und zur Vorbeugung von Verletzungen. Durch die vorhergegangen Überlegungen kam es zu zwei verschiedenen Aufwärmprogrammen. Beide hatten das Ziel die Muskulatur zu erwärmen und zu lockern. Welches der beiden Programme durchgeführt werden sollte, wollten wir uns offen halten und von der bestehenden Lerngruppe und deren Arbeitsklima abhängig machen. Da die Klasse aufnahmebereit erschien und sich in der Vorstellungsphase bereits stark einbrachte, entschieden wir uns für das „Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel“. Diese Variante ist um einiges Vielseitiger und interessanter als die strikt vorgegebene Aufwärmreihe und beinhaltet bereits von Anfang an einen gewissen Wettkampfgedanken. Unsere anfänglichen Vorgedanken haben sich bestätigt und bis auf eine Ausnahme hatte keiner der Schüler Vorerfahrungen im Bereich des Boxens. Wir haben uns entschieden, folgende koordinative Übungen, die ein hohes Maß an mentaler Aufmerksamkeit und Aufnahmebereitschaft erfordern, direkt nach dem Aufwärmen zu behandeln. Vermittelt wurden: Boxstellung und grundlegende Bewegung Verteidigung Gerade Schläge Hiernach kam es zur Reflexion in der die Schüler sagen sollten, welche Schläge und Schlagkombinationen sie für sinnvoll hielten und wie sie selbst die Wichtigkeit einschätzen würden. Beendet wurde unsere Stunde mit einem Intervalltraining, welches stark an das Sandsacktraining beim Boxen angelehnt wurde (vgl. Sportartenkonzept). Gearbeitet wurde in Belastungsphasen von 15 Sekunden mit jeweils 60 Sekunden Pause. Abgezielt wurde hierbei auf eine hohe Pulsfrequenz, schnelle Laktaterhöhung und eine der Belastung entsprechenden Erhöhung der Explosivkraft. Hiernach sollte eine Abschlussreflexion folgen, allerdings weniger mit dem Ziel der Boxreflexion, als mehr mit einer tion der Stunde an sich.

IX. Reflexion

Ich persönlich halte die Verschriftlichung eines Unterrichtsentwurfes für sinnvoll. Es handelt sich beim Boxen um ein Themengebiet welches nicht im Lehrplan zu finden ist, weshalb eine eine didaktisch methodische Aufarbeitung angebracht ist. Die Verschriftlichung und Planung einer Unterrichtsstunde setzt eine gewisse Notwendigkeit voraus, sich eingehend mit der Unterrichtsstunde, den Unterrichtsinhalten und der Lerngruppe zu beschäftigen. Während ich vorher immer von, für mich, sinnvollen oder spaßigen Übungen dazu gegangen bin diese in der Lerngruppe durchzuführen, war es so, dass ich mir nun vermehrt Gedanken machen musste. Nachdem ein Einteilen der Lerngruppe in unterschiedliche Kategorien wie Engagements, Arbeitsklima, Aktivität, Vorerfahrungen oder den zu erwartenden Schwierigkeiten geschehen war, war es überhaupt erst möglich eine durchdachte Zusammenstellung von Übungen oder eben ein begründetes Weglassen zu erklären . Dies führt für mich unter anderem dazu, dass ich Schüler nicht mehr in Schubladen wie lernschwach oder unsportlich einteile, falls eine Unterrichtsstunde nicht meinen Erwartungen entspricht, sondern ich mein Unterrichtskonzept für die Lerngruppe als nicht passend empfinde. „Besonders für Anfänger ist der Hinweis wichtig, dass Lehr- und Lernprozesse aufgrund ihrer Situationsgebundenheit immer einmalig sind. Ein einmal vorbereiteter Unterricht lässt sich daher nicht wie eine Videoaufnahme am anderen Ort, zu anderer Zeit und mit anderen Menschen einfach wiederholen.“ (Esslinger-Hinz et al. 2007, S.31) Trotzdem habe ich in der Stunde meiner Ansicht nach nicht immer optimal gehandelt. Würden ähnliche Situationen wieder auftreten, so würde ich in diesem Falle anders handeln. Nach unserem Aufwärmspiel habe ich den siegenden Schülern den Sieg nicht ausreichend anerkannt. Ich selber denke aber, dass Belohnung an richtiger Stelle für Selbstsicherheit und Einsatzbereitschaft sorgt. Bei der nächsten Gelegenheit würde ich dafür sorgen, dass sich dies ändert. Die Gerätearbeit wurde an sich sehr gut angenommen und es wurde hingebungsvoll mitgearbeitet. Die Gruppen wurden von uns gemischt-geschlechtlich zusammengestellt. Als es dann allerdings um das Anstellen innerhalb der Gruppe in die Reihe ging, ließen wir dies in der Verantwortung der Schüler. Die Gruppen ordneten sich so vom Leistungsstärksten abwärts. Am Ende waren dann die Mädchen, was einen deutlichen Unterschied in Kraft und Frequenz machte. Beim nächsten mal würde ich in die Verteilung eingreifen. Alles in allem hielt ich die Stunde aber für eine Einführung als sehr gelungen, womit sich meine Meinung mit der Schülererfahrung deckte.

Literaturverzeichnis

Busch, F.(2006): Ringen und Kämpfen: Auer Verlag
Bräutigam, Mathias (2009). Sportdidaktik. Ein Lehrbuch in 12 Lektionen. Band 3. Meyer & Meyer Verlag, Aach
Bräutigam, Mathias (2014)
Ellwanger, Siegfried, Ellwanger Ulf (1998): Boxen Basics: Pietsch Verlag, Stuttgart
Esslinger Hinu, I., Useld, G., Röbe, E., Fischer, H.-J., Kunst, T. & Däscher Seiler, S. (2007). Guter Unterricht als Planungsaufgabe: Ein Studien- und Arbeitsbuch zur Grundlegung unterrichtli- cher Basiskompetenzen. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.
Funke, Dr. med W. (1985): Acht Jahre Langzeitstudie Amateurboxen, Eine Zwischenbilanz von Dr. med. Wilhelm Funke. DABV Geschäftsstelle, Olsberg
Göhner, U. (1979): Zur Analyse von Bewegungsaufgaben, Sportpädagogik, 3(2), 8-13
Hessisches Kultusministerium (2010b). Bildungsstandards und Inhaltsfelder: Das neue Kerncurriculum für Hessen. Sekundarstufe I – Gymnasium. Entwurf. Sport. Wiesbaden
King, Vera (2011): Der Körper als Bühne adoleszenter Konflikte. In: Yvonne Niekrenz, Matthias D. Witte (Hrsg.): Jugend und Körper. Weinheim, Juvental
Ludwig, Harald (2007) ‪Das Lernen in die eigene Hand nehmen‬: ‪Mut zur Freiheit in der Montessori-Pädagogik. Herausgegeben im Auftrag der Montessori-Vereinigung e.V.‬,
Neumann, Peter(2004): Erziehender Sportunterricht – ein Ansatz für den Sportunterricht 5 -10 In: Wuppertaler Arbeitsgruppe: Schulsport in den Klassen 5 -10, Verlag Karl Hofmann, Schorndorf
Ogurenko, E.I.(1977) Der Nahkampf im Boxen: (2.Aufl.) Bartels und Wernitz, Berlin
Web Dokumente: https://www.baer-sch.de/download/trainertreffen2012.pdf Stand 10.03.2016
Vorlesungen: Sport Modul 1 Vorlesung, Entwicklungspsychologie, Pr. Dr. Abraham

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